Digitale Medizin zum Greifen nah

von Begleitforschung Smart Service Welt 4 Monaten keine Kommentare
Home  /  Allgemein  /  Digitale Medizin zum Greifen nah
Bild Abschluss MACCS

Wie kann digitale Kommunikation zwischen Patienten und behandelnden Ärzten funktionieren? Welches Potenzial birgt das für die Behandlungsqualität? Und wo zeichnen sich die nächsten Innovationen im Gesundheitswesen ab? Um diese und weitere Fragen drehte sich die Abschlussveranstaltung des Projekts MACSS am 18. März in Berlin.

Zwischen 2016 und 2019 hat MACSS eine Plattform entwickelt, die den Datenaustausch und die Vernetzung zwischen Patienten und Ärzten verbessern soll. Eine Smartphone-App dient dabei den Patienten als Verbindung zu den Medizinern und als persönlicher Assistent. Sie erinnert beispielsweise an die Einnahme von Medikamenten, unterstützt bei der Organisation von Arztterminen und hilft dabei, Vitaldaten, im Blick zu behalten, zum Beispiel das Körpergewicht. Für Fach- oder Hausärzte, Kliniken, Versorgungszentren und weitere Partner bietet die Plattform weitere Funktionen: Sie können Patientendaten wie medizinische Befunde, den Therapieverlauf oder Vitaldaten einsehen und austauschen. So werden mögliche Fehlentwicklungen im Krankheitsverlauf oder bei der Behandlung frühzeitig erkannt und können unmittelbar korrigiert werden.

Lebensretter im Hosentaschenformat

Erprobt wurde die MACSS-Plattform unter anderem mit Patienten, die aufgrund von chronischem Nierenversagen eine Organtransplantation erhalten haben. Für diese Menschen ist das plötzliche Versagen der neuen Niere lebensgefährlich. Dafür sind häufig Kreislauferkrankungen und Infektionen die Ursache. In vielen Fällen liegt es jedoch an mangelnder Therapietreue – etwa, wenn ein Patient die nötigen Medikamente nicht korrekt einnimmt. An dieser Stelle kommt MACSS ins Spiel: Die App hilft nicht nur dabei, dass der Medikamentenplan eingehalten wird. Sie kann Patienten auch an die morgendliche Blutdruckmessung oder den abendlichen Spaziergang erinnern. Das erlaubt den Medizinern im oft weit entfernten Transplantationszentrum, gemeinsam mit dem Patienten und Hausarzt vor Ort das Risiko für Komplikationen erheblich zu senken.

Die Schlüssel zum Erfolg: Einfachheit und Geduld

Damit das tatsächlich funktioniert, muss die Nutzeroberfläche möglichst einfach bedienbar sein – eine Kernaufgabe sogenannter UX-Designer. Auf der MACSS-Abschlussveranstaltung wurde gezeigt, wie die Nutzeroberflächen-Designs in mehreren Workshops an der Charité mit Ärzten und Patienten auf Alltagstauglichkeit geprüft wurden. Denn nur wenn App und Plattform dieses Kriterium erfüllen, werden sie von den vielen älteren Patienten und den oftmals unter Zeitdruck stehenden Ärzten dauerhaft genutzt. Und selbst dann ist die Hürde hoch, bevor digitale Gesundheitsservices in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen oder zumindest von einzelnen Kassen bezahlt werden. Im Fall von MACSS zeigten sich die kooperierenden Verbände und Krankenkassen bisher zufrieden. Für sie ist digitale Gesundheitsversorgung ein großes Zukunftsthema. Besonders wichtig: Der im Projekt verfolgte Ansatz, nicht nur Krankenhäuser besser mit Patienten zu vernetzen, sondern auch die Kommunikation mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten zu berücksichtigen.

MACSS: Projektergebnisse werden unmittelbar genutzt

Während am Vormittag die vergangenen drei Jahre der Projektarbeit im Mittelpunkt standen, konnte am Nachmittag ein Blick in die Zukunft der Medizin geworfen werden. Mit DACE greift ein Projekt aus der Smart Service Welt II die Ergebnisse von MACSS auf und entwickelt eine browserbasierte Gesundheitsplattform, über die sicher und datenschutzkonform kommuniziert werden kann. Sie soll als Grundlage für die Entwicklung neuer Smart Services in diesem Bereich dienen. Am täglich 24 Stunden besetzten Telemedizin-Zentrum der Charité laufen bereits heute ständig Patientendaten zusammen. Dort wird zum Beispiel erprobt, wie über Körpersensoren der Puls und die Blutversorgung von Patienten mit chronischen Herzerkrankungen überwacht werden kann. Auch außerhalb der Kardiologie gibt es neue Anwendungen: So könnte bei Parkinson-Patienten, die sich dank eines implantierten Hirnstimulators wieder besser bewegen können, die optimale Einstellung bald durch Telemedizin erleichtert werden. Viel Potenzial bieten intelligent verknüpfte Dienste auch für Menschen mit einer Lungenerkrankung: Statt im Labor könnte künftig die Lungenfunktion von Patienten auch im Alltag per Stimmenanalyse ermittelt werden.

Weitere Informationen zu MACCS finden Sie hier.

Bildquelle: Begleitforschung Smart Service Welt

Kategorien:
  Allgemein, Leben

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.