Die digitalen Bauern haben die besten Kartoffeln

von Begleitforschung Smart Service Welt 3 Monaten keine Kommentare
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Auch wenn die Netzabdeckung auf vielen Äckern noch zu wünschen übriglässt: Die Landwirtschaft gehört zu den digitalen Vorreiter-Branchen. Das bewies auch das Smart Service Welt-Projekt „Smart-Farming-Welt“, das Ende März seinen feierlichen Abschluss beim Konsortialpartner GRIMME feierte. Nach dreijähriger Laufzeit zeigte das Projekt an verschiedenen Stationen seine entwickelten Services. Besonders anschaulich war dabei die digitale Kartoffel, die sogenannte nPotato. Der Prototyp der „schlauen Kartoffel“, bestehend aus einer festen Kunststoffhülle mit integriertem Smartphone, wird auf Feldern ausgelegt und gemeinsam mit normalen Kartoffeln geerntet. Die Smartphone-Sensoren erfassen Beschleunigungen und damit auch Schläge und Stöße auf die nPotato. Durch eine intelligente Auswertung und anschließende Anpassung der Ernteeinstellungen trägt sie somit dazu bei, dass die Kartoffelernte besonders schonend gelingt. „Rund 10 Prozent der Kartoffeln werden normalerweise bei der Ernte beschädigt, was bei der Lagerung zu braunen Stellen oder Schimmel führt. Durch verbesserte Maschineneinstellungen kann das wesentlich verbessert werden. Langfristig kann die nPotato auch dabei helfen, die ganze Produktionskette eines Produkts noch einfacher nachzuvollziehen – wie lange es zum Beispiel Frost im Boden gab“, erklärt Hannah Stein vom DFKI.

Als weiterer Dienst zur Verbesserung der Ernte wurde der „Fleet-Set-Connect-Dienst“ auf der Abschlussveranstaltung präsentiert: Damit werden Ernteprozesse durch eine übergeordnete Flottensteuerung verbessert, sodass die Einstellungen einer sogenannten Master-Maschine automatisch auf andere Mähdrescher übertragen werden können, die alle gemeinsam ein Feld abernten. „Das ist besonders für Länder mit großen Agrarflächen wie Russland oder Brasilien interessant. So fahren alle Fahrzeuge mit den optimalen Einstellungen, ohne dass jeder einzelne Fahrer dies einstellen muss. Anpassungen des Master-Mähdreschers werden automatisch an die anderen weitergegeben. So kann etwa im Laufe eines Tages optimal auf die veränderte Kornfeuchtigkeit reagiert und die Einstellung eines Fahrers direkt an alle Fahrzeuge kommuniziert werden“, erklärt Dr. Andreas Kipp von CLAAS.

Bei einer Führung durch die GRIMME-Produktion konnten sich alle Teilnehmer selbst ein Bild von den hochkomplexen Erntemaschinen machen. Damit diese künftig noch effektiver gewartet und bei Störungen repariert werden können, wurde im Projekt auch dafür ein Service entwickelt: Der Tele-Expert-Dienst ermöglicht das Beheben von Maschinenstörungen, indem Innendienst-Techniker über die Plattform eine Ansicht des Maschinendisplays der Problemsituation aus der Ferne erhalten. Sie geben dem Fahrer dann Bedienhinweise, sodass dieser selbstständig eine Fehlerhebung durchführen kann. Das spart in der streng durchgetakteten Erntesaison wertvolle Zeit. Mit dem ebenfalls entwickelten Connected-Update-Dienst können Landmaschinen-Hersteller über die Smart-Farming-Plattform Softwareupdates bereitstellen, die direkt auf den Landmaschinen und angehängten Geräten installiert werden. So sind zum Beispiel Sicherheitsfunktionen immer auf dem neuesten Stand.

Alle Projektpartner zeigten sich auf der Abschlussveranstaltung zufrieden mit den erzielten Ergebnissen: „Wir haben im Projekt gezeigt, dass unsere Plattform funktioniert und die entwickelten Services die Ernte in Zukunft noch effektiver machen. Davon profitieren nicht nur die Landwirte, sondern auch die Hersteller und jeweiligen Servicepartner, aber langfristig natürlich vor allem die Verbraucher und die Umwelt. Durch die im Projekt entwickelten Geschäftsmodelle ist sichergestellt, dass die Services auch ihren Weg in die Wirtschaft finden“, resümiert Benedikt Moser, Verantwortlicher für die Geschäftsmodellentwicklung im Projekt.

Bildquelle: Begleitforschung Smart Service Welt

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