Wie Künstliche Intelligenz per App-Store ins Auto kommt

von Rafael Eggebrecht 4 Monaten keine Kommentare
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Wer sein Smartphone über Nacht ans Ladegerät anschließt, findet am nächsten Morgen nicht selten ein Dutzend oder mehr App-Updates in der Benachrichtigungsleiste. Ganz anders sieht das bei einem anderen täglichen Wegbegleiter aus: dem Auto. Hier werden Updates häufig nur während eines Werkstattaufenthalts nebenbei aufgespielt. Im schlechtesten Fall bleiben die Auto-Apps über Jahre auf dem Stand der Auslieferung. Das Smart Service Welt-Projekt PASS hat eine Plattform entwickelt, die Autos ins Smartphone-Zeitalter bringt. Sie erlaubt es Fahrzeugherstellern, auf Basis offener Standards ihre Softwareupdates leichter zur Verfügung zu stellen. Auch Zulieferer können damit ihre Produkte besser auf die Auto-Software abstimmen und die Nutzer profitieren von einem größeren Angebot von Apps.

Dr. Stefan Voget ist Leiter des Hard- und Softwarelabors in der Abteilung „Künstliche Intelligenz und Robotik“ des Automobilzulieferers Continental. Im Interview erklärt er, wie schnell sich die Fahrzeug-Softwareentwicklung während der Projektlaufzeit gewandelt hat und wie es mit PASS weitergeht.

Herr Voget, Continental hat im PASS-Projekt einen Fahrroboter entwickelt, der so nicht von Anfang an geplant war. Wie kam es dazu?

Als wir 2016 mit dem Konsortium das Projekt begonnen haben, wollten wir mit PASS eine offene und standardisierbare Plattform zur sicheren Installation, Ausführung und Aktualisierung von Fahrzeug-Apps schaffen. Das war vor allem in eine Richtung gedacht: Eine App wird entwickelt, die Installationsdatei auf einen Server geladen, das Auto greift über den App-Store auf die Datei zu und installiert sie. So war in den meisten Fällen das Ziel erreicht. Doch dann kam die Künstliche Intelligenz. Diese funktioniert im Wesentlichen über das Lernen von Daten. Damit beispielsweise autonomes Fahren funktioniert, muss jedes Auto ständig sicherheitsrelevante Informationen zurücksenden: KI-Komponenten wie die Objekterkennung können nur verbessert werden, wenn die zugrundeliegenden Algorithmen permanent mit den Daten möglichst vieler Fahrzeuge trainiert werden. Zeitgemäße Fahrzeug-Apps müssen also nicht mehr in eine, sondern in zwei Richtungen gedacht werden. Vor diesem Hintergrund kam uns die Idee eines Fahrroboters, der nicht nur die Software-Updateproblematik in der Branche adressiert, sondern auch Ansätze für Big Data, Künstliche Intelligenz und autonome Fahrzeuge erprobt.

Also hat sich das Ziel des Projekts geändert?

Nein, der Fahrroboter basiert auf derselben Plattform wie der ebenfalls im PASS-Projekt entwickelte Geländewagen-Demonstrator. Das heißt, auch im Roboter können Anwendungen sicher über den PASS-App-Store installiert und im Anschluss von der Plattform überwacht werden. Bei PASS werden dafür im Vorfeld sicherheitsrelevante Systemeigenschaften spezifiziert und in sogenannten Kontrakten festgeschrieben. Sie müssen von den Entwicklern zwingend befolgt werden und verhindern, dass später etwa eine neu installierte Infotainment-App in die Fahrzeuglenkung eingreifen kann.

Was zeichnet den Fahrroboter aus?

Er hebt sich vor allem durch die Art der installierten App ab. Mithilfe eines künstlichen neuronalen Netzes, selbstlernenden Algorithmen und tausenden Bildern haben wir eine App geschaffen, die menschliche Gliedmaßen unterscheidet, Gesten erkennt und damit den Roboter steuert. Auch diese komplexe Anwendung aus dem Bereich des autonomen Fahrens kann über den PASS-App-Store einfach installiert, aktualisiert oder deinstalliert werden.

Wie geht es nun mit dem PASS-App-Store weiter?

Einen gemeinsamen App-Store aller großen Autohersteller wird es wahrscheinlich nicht geben. Die in PASS erprobte Entwicklungsmethode und Ausführungsumgebung auf Basis von Kontrakten ist für Fahrzeug-Apps hingegen wegweisend. Davon könnten die App-Stores der Hersteller künftig Gebrauch machen. Bei Continental nutzen wir viele Bausteine und Erkenntnisse aus PASS für neue Entwicklungen – beispielsweise in verschiedenen Demonstratoren.

Mehr zum Projekt PASS finden Sie hier.

Dieser Beitrag ist erstmalig in der Publikation „Gut Vernetzt“ erschienen. Darin werden Beispiele aus der Smart Service Welt I präsentiert, die zeigen, wie über die initiale Technologieförderung hinaus innovative Ideen, Lösungen zur effektiven Weiternutzung der Ergebnisse und konkrete Nachfolgeprojekte entstanden sind.

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  Allgemein

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