Datenbrillen im Unternehmen: Was ist erlaubt?

von Rafael Eggebrecht 6 Monaten keine Kommentare
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Innovative Technik und rechtliche Rahmenbedingungen miteinander vereinbaren: Der Einsatz digitaler Lösungen birgt im Hinblick auf den Datenschutz viele juristische Herausforderungen, basieren doch die allermeisten Anwendungen auf dem Sammeln, Speichern, Analysieren und Nutzen großer Datenmengen. Durch Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 hat sich zusätzlich vieles verändert.

Damit verbundene Unsicherheiten können die Einführung neuer Technologien in Unternehmen hemmen, beispielsweise bei adaptiven Assistenzsystemen, also dem Einsatz von vernetzten Arbeitsmitteln wie Datenbrillen oder Tablets. Firmen stellen sich vor der Implementierung zahlreiche Fragen: Welche Informationen dürfen zu welchem Zweck genutzt werden? Welche Mitbestimmungsrechte haben Beschäftigte? Wie müssen personenbezogene Informationen geschützt werden? Für welche Zwecke dürfen sie genutzt werden – und müssen die Mitarbeitenden einer Nutzung zustimmen? Immerhin können smarte Datenbrillen Informationen über das Arbeitsverhalten der Beschäftigten erheben. Diese Fragen haben für die Unternehmen höchste Relevanz und sind mit Blick auf die DSGVO nicht immer leicht zu beantworten.

Rechtssicherheit fördert den Einsatz digitaler Arbeitsmittel
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), einer der Konsortialpartner im Smart Service Welt-Projekt Glass@Service, hat im Jahr 2018 ein Gutachten zu den rechtlichen Anforderungen an den Datenschutz bei adaptiven Arbeitsassistenzsystemen erstellen lassen, dessen Ergebnisse in das Technologieprojekt Glass@Service eingeflossen sind und darüber hinausreichen. Denn: Nur wenn neue Technologien rechtssicher gestaltet sind, können sie auch den Sprung in die Anwendung schaffen.

Glass@Service entwickelte eine intelligente Datenbrille für den industriellen Einsatz, die Augmented Reality nutzt. Konkret bedeutet das: Mitarbeitenden, die eine solche Brille tragen, werden Informationen in das Sichtfeld eingeblendet, wodurch Arbeitsprozesse erleichtert werden können. Die Beschäftigten haben beide Hände frei, um ihren Tätigkeiten nachzugehen. Dadurch kann die Effizienz gesteigert werden.

Digitale Technologien im Unternehmen: Was ändert sich durch die DSGVO?
Durch den Einsatz mobiler Endgeräte im Arbeitskontext steigen aufgrund der verbauten Sensorik die Anforderungen an den Schutz personenbezogener Daten. Solche Sensoren sind prinzipiell in der Lage, personenbezogene Daten wie Standortdaten zu erfassen – oft haben Nutzer dabei keinen Einfluss auf die erhobenen Informationen. Jedoch: Ist die Erfassung solcher Daten konform mit dem geltenden Recht?

Durch das Gutachten wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen. Wichtig ist unter anderem der Zweck der Datenerhebung: Das unspezifische Sammeln von Beschäftigtendaten im Sinne einer „gläsernen Fabrik“ ist nicht zulässig, unabhängig davon, durch welches Endgerät die Daten erhoben werden. Die Verarbeitung der Informationen muss vielmehr für einen bestimmten Zweck im Interesse der Unternehmen notwendig sein. Zweckänderungen, also die Verarbeitung von Informationen zu einem anderen Zweck, als bei der Datenerhebung ursprünglich vorgesehen, sind gemäß DSGVO nur sehr begrenzt möglich.

Förderlich für den Einsatz adaptiver Assistenzsysteme ist, dass ihr Einsatz im Betrieb durch eine Kollektivvereinbarung geregelt werden kann. Eine individuelle Einwilligung von Beschäftigten ist nur in Ausnahmefällen umsetzbar. Allerdings wurden die Rechte von Mitarbeitenden im Umgang mit ihren Daten durch die DSGVO maßgeblich gestärkt. Sie haben Informations- und Auskunftsansprüche und das Recht auf Berichtigung und Löschung von Informationen oder Datenportabilität, also das Recht auf eine Übertragbarkeit von Daten. Im Zusammenhang mit adaptiven Assistenzsystemen sind diese Ansprüche aber gegebenenfalls auch durch die Unternehmensinteressen begrenzt, beispielsweise wegen Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen.

Wie das Gutachten zeigt, spielt die technische Absicherung der neuen Systeme eine große Rolle, denn durch die DSGVO wurde auch der technische Datenschutz gestärkt. Es gehört daher zu den zentralen Herausforderungen, bei der Einführung adaptiver Assistenzsysteme zu überprüfen, ob durch ihre technische Gestaltung der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Mitarbeitenden minimiert werden kann, etwa durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen, Anonymisierungs- oder Pseudonymisierungskonzepte.

Mehr Rechtsicherheit ermöglicht bessere Unterstützung
Wer kann von den Ergebnissen des Gutachtens profitieren? Ob smarte Datenbrille, Wearable oder Tablet – unabhängig davon, welches Endgerät ein Unternehmen für die Bereitstellung adaptiver Assistenzsysteme nutzen möchte: Das Gutachten schafft nicht nur ein Bewusstsein, welche Rechtsgebiete beim Einsatz der Technologien berücksichtigt werden müssen, sondern gibt auch konkrete und praxisbezogene Hinweise, wie der rechtskonforme Umgang etwa mit Video-, Bild-, Standort- oder biometrischen Daten gestaltet werden kann.

Die Ergebnisse des Gutachtens bieten allen Unternehmen Orientierung, die ihre Beschäftigten bei der digitalen Transformation individuell begleiten und Arbeitsplätze sicherer, anforderungs- und belastungsadäquat gestalten wollen.

Zum Gutachten geht es hier.

Mehr Informationen zum Projekt Glass@Service finden Sie hier.

Dieser Beitrag ist erstmalig in der Publikation „Gut Vernetzt“ erschienen. Darin werden Beispiele aus der Smart Service Welt I präsentiert, die zeigen, wie über die initiale Technologieförderung hinaus innovative Ideen, Lösungen zur effektiven Weiternutzung der Ergebnisse und konkrete Nachfolgeprojekte entstanden sind.

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