Einkaufen 4.0: Mehr Durchblick für Allergiker

von Rafael Eggebrecht 3 Monaten keine Kommentare
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Keine Peanuts! Die Erdnuss gehört zu den häufigsten Auslösern von Allergien und die Betroffenen müssen erdnusshaltige Lebensmittel konsequent meiden. Gar nicht so einfach, werden Produktionsanlagen doch oftmals für die Herstellung verschiedener Lebensmittel verwendet. Allergiker müssen deshalb bei jedem Einkauf Inhaltsstofflisten genauestens prüfen und auf Hinweise wie „Kann Spuren von Erdnuss enthalten“ achten. Immerhin droht durch den Konsum von Erdnüssen bei einer stark ausgeprägten Allergie ein lebensgefährlicher allergischer Schock.

Den Alltag von Lebensmittelallergikern vereinfachen – das nahm sich Guided AL (Guided Autonomous Locations) vor. Bereits von Beginn an war das Smart Service Welt-Projekt thematisch breit aufgestellt: Durch die Kombination von Gebäudedaten mit mobilen Daten sollten verschiedene Lebensbereiche optimiert werden. Das Projekt hat dazu eine Plattform entwickelt, die verschiedene Anwendungsfälle aus den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Gesundheit und Einkauf einfach und komfortabel löst und damit das „Einsatzfeld“ Smart Home erweitert. Die konkreten Services, die über die Plattform genutzt werden können, sind denkbar vielfältig: Von der Sturzerkennung über das Luftqualitätsmanagement in Büroräumen bis hin zum Besucher- und Parkmanagement.

Aufgrund der Zusammenarbeit des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), einem der Konsortialpartner von Guided AL, mit dem Einzelhandelsunternehmen Globus Holding entstand die Idee zu einer Einkaufslösung für Allergiker. Das DFKI forscht bereits zum Thema Einzelhandel, unter anderem im eigenen Labor „Innovative Retail Laboratory (IRL)“, in dem neue Technologien für den Handel erprobt werden. Das Labor befindet sich in einem Globus-Warenhaus. Durch die Arbeit in dem Forschungslabor entstand die Idee einer „digitalen Einkaufsliste“ inklusive einer automatischen Erkennung von Allergenen.

Wie Augmented Reality beim Einkaufen hilft
Und so funktioniert die digitale Einkaufsberatung: In der App von Guided AL werden die Lebensmittelbestände erfasst, ebenso wie Gesundheitsdaten der Benutzer, also auch mögliche Allergien. Auf dieser Basis gibt die App Empfehlungen für eine elektronische Einkaufsliste ab. Die so erstelle Liste kann durch einen Klick an einen Supermarkt übermittelt werden, worauf ein Mitarbeiter die Lebensmittel zusammenstellen kann. Alternativ kann die App den Nutzern im Supermarkt den Weg zu den verschiedenen Produkten weisen.

Mit der Kamera ihrer Mobiltelefone können die Nutzer Lebensmittel in den Regalen erfassen. Bei Lebensmitteln, die zuvor gespeicherte Allergene enthalten, wird das Preisschild als Warnung mithilfe von Augmented Reality rot eingefärbt. Möglich ist dies durch eine Abfrage der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln aus Datenbanken des Händlers. Durch eine Verordnung müssen Lebensmittelhersteller seit einigen Jahren Listen aller Inhaltsstoffe von Lebensmitteln digital verfügbar halten. Die Listen können von der App durch eine Schnittstelle zu den Datenbanken der Händler automatisiert abgerufen, mit den verknüpften Gesundheitsdaten abgeglichen und auf dieser Basis Allergiewarnungen ausgespielt werden. Neben dem derzeitigen Erfassen von Produkten über die Smartphone-Kamera wird künftig auch das Erkennen von digitalen Preisschildern möglich sein.

Apps für Allergiker: Die Datenqualität ist entscheidend
Derzeit befindet sich die Einkaufslösung von Guided AL im Test-Stadium. Technisch ist die Anwendung bereits voll funktionsfähig und der Prototyp wurde bereits erfolgreich in einer Filiale von Globus in Saarbrücken anhand mehrerer hundert Produkte überprüft. Auf dieser Basis könnten zudem weitere digitale Services, die ebenfalls auf den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln basieren, wie Ernährungsempfehlungen, unkompliziert in die App integriert werden.

Eine Herausforderung, die es vor der Bereitstellung der Anwendung für die Öffentlichkeit zu bewältigen gilt, ist die Datenqualität. Bei der Nutzung einer solchen Lösung durch Allergiker ist es essenziell, dass die riesigen Mengen an hinterlegten Daten absolut fehlerfrei sind und auch der Datenabgleich hundertprozentig störungsfrei erfolgt. Denn schon eine falsche Empfehlung der App könnte für Personen, die an einer starken Allergie leiden, sehr gefährlich werden. Zur Datenqualität der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln in digitalen Datenbanken gibt es derzeit keine verlässlichen Zahlen. Hier ist weitere Forschung notwendig, ehe in Zukunft jeder Allergiker bequem und sicher per App vor kritischen Lebensmitteln „gewarnt“ wird.

Dem Online-Handel durch digitale Dienste die Stirn bieten
Der Einsatz einer solchen Einkaufslösung bietet auch Vorteile für Einzelhändler. Aufgrund der wachsenden Konkurrenz durch Online-Shops wird es für stationäre Händler immer wichtiger, Kunden durch ein positives, individuell auf sie zugeschnittenes Einkaufserlebnis zu überzeugen und langfristig zu binden. Dazu kann die App von Guided AL beitragen: Wird der Einkauf von den Allergikern als komfortabel und effizient empfunden, steigt die Chance für einen erneuten Besuch des Geschäfts. So bietet eine App, die ein personalisiertes Einkaufserlebnis in einen physischen Markt bereitstellt, dem Einzelhandel die Chance, sich positiv von Online-Shops abzuheben.

Mehr Informationen zum Projekt Guided AL finden Sie hier.

Dieser Beitrag ist erstmalig in der Publikation „Gut Vernetzt“ erschienen. Darin werden Beispiele aus der Smart Service Welt I präsentiert, die zeigen, wie über die initiale Technologieförderung hinaus innovative Ideen, Lösungen zur effektiven Weiternutzung der Ergebnisse und konkrete Nachfolgeprojekte entstanden sind.

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  Allgemein

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